Das Wichtigste vorab: KI-Systeme sprechen längst über Ihr Unternehmen, auch wenn Sie nie mit ihnen gesprochen haben. Sie nennen Preise, Garantien und Produktnamen, und ein Teil davon ist falsch, ohne dass es jemand bemerkt. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie Falschaussagen systematisch finden, nach Schweregrad ordnen und korrigieren, und warum die Prüfung eines einzelnen Systems nicht reicht.
Der Selbsttest: drei Systeme, drei Fragen
Stellen Sie ChatGPT, der Google-KI und einem dritten System (Claude oder Perplexity) dieselben drei Fragen: Was bietet [Ihr Unternehmen] an? Was kostet [Ihr wichtigstes Produkt]? Welche Garantie- oder Servicebedingungen gelten? Notieren Sie die Antworten nebeneinander.
Zwei Dinge werden auffallen. Erstens weichen die Systeme voneinander ab, teils erheblich: Untersuchungen finden nur 13 Prozent Überlappung zwischen den Quellen, die Claude zitiert, und jenen, die ChatGPT nennt; selbst innerhalb von Google zitieren KI-Übersicht und AI Mode in 83 Prozent der Fälle unterschiedliche Domains. Zweitens stammen die Fehler selten aus böser Absicht: Die KI kombiniert veraltete Seiten, fremde Verzeichnisse und Presseartikel zu einer Antwort, die plausibel klingt und trotzdem falsch ist.
Die drei Stufen der Falschaussage
Nicht jeder Fehler wiegt gleich. In Kundenprüfungen sortieren wir Funde in drei Stufen, und die Stufe bestimmt, wie schnell gehandelt werden muss.
Stufe 1: Falsche Schreibweisen
Die KI schreibt Ihr Produkt oder System falsch, vertauscht Groß- und Kleinschreibung oder nutzt einen veralteten Namen. Das wirkt kosmetisch, ist aber ein Entitäts-Problem: Wenn die Maschine schon den Namen nicht sauber führt, verknüpft sie auch Eigenschaften, Bewertungen und Quellen nicht zuverlässig mit Ihnen. Dringlichkeit: mittel. Reparabel über konsistente Schreibweise auf allen eigenen Flächen.
Stufe 2: Falsche Sachangaben
Preise von vor zwei Jahren, Garantiezeiten, die es so nie gab, technische Spezifikationen aus einem alten Datenblatt. Diese Stufe ist kaufentscheidend und haftungsnah: Ihr Interessent rechnet mit dem falschen Preis, Ihr Kunde beruft sich auf die erfundene Garantie, und Ihr Vertrieb erfährt davon erst im Gespräch. Dringlichkeit: hoch. Für regulierte Anbieter gilt hier Prüfpflicht, nicht Kür.
Stufe 3: Falsches Gesamtbild
Die KI beschreibt ein Leistungsportfolio, das Sie vor Jahren eingestellt haben, positioniert Sie in der falschen Branche oder vermischt Sie mit einem ähnlich benannten Wettbewerber. Das ist die gefährlichste Stufe, weil sie sich fortpflanzt: Aus dem falschen Gesamtbild leitet die KI alle weiteren Antworten ab, von der Anbieterempfehlung bis zum Vergleich. Dringlichkeit: sofort.
Der Korrektur-Weg in vier Schritten
Schritt 1: Die Quelle finden. KI-Antworten zitieren ihre Quellen, nutzen Sie das. Klicken Sie die zitierten Links: Meist führen sie auf veraltete eigene Seiten, alte PDFs, Branchenverzeichnisse mit Uralt-Einträgen oder Presseartikel. Die Falschaussage hat fast immer eine auffindbare Herkunft.
Schritt 2: Die eigene kanonische Quelle setzen. Die KI zitiert die beste verfügbare Quelle. Machen Sie Ihre eigene Website zu dieser Quelle: eine aktuelle, datierte Seite je Kernaussage (Produkt, Konditionen, Leistungsumfang), mit sichtbarem Stand-Datum. Beim Thema Preis gilt: Wer seine Preislogik nicht publiziert, überlässt der KI fremde Zahlen; wie das auch ohne Preisliste geht, steht im Beitrag Was kostet Generative Engine Optimization? Preise und Rechenbeispiele für den Mittelstand.
Schritt 3: Fremdquellen bereinigen. Veraltete eigene PDFs aus dem Index nehmen oder aktualisieren, Einträge in Branchenverzeichnissen korrigieren, bei groben Fehlern in Presseartikeln um Richtigstellung bitten. Nicht alles lässt sich bereinigen; dann muss die eigene Quelle so eindeutig sein, dass sie die fremde übertrumpft.
Schritt 4: Je System nachmessen, wiederkehrend. Einmal korrigiert heißt nicht überall korrigiert: Die Systeme zitieren unterschiedliche Quellen und aktualisieren unterschiedlich schnell. Prüfen Sie dieselben drei Fragen nach vier bis acht Wochen erneut, über alle Systeme, und ergänzend mit Rollen-Kontext („Ich bin Geschäftsführer eines Maschinenbauers …“), denn die Antworten ändern sich je nachdem, wer fragt. Wie Sie KI-Besuche und Antworten laufend messen, zeigt der Beitrag KI-Sichtbarkeit messen: Warum dein SEO-Tool 0 zeigt.
Was nicht funktioniert
Der Vollständigkeit halber, damit Sie keine Zeit verlieren: Sie können die KI nicht direkt umerziehen. Feedback-Funktionen der Anbieter existieren, wirken aber langsam und ohne Zusage. Ein Anruf bei OpenAI ändert keine Antwort. Der verlässliche Hebel ist die Quellenlage, denn daraus baut jedes System seine Antworten. Bei geschäftsschädigenden Aussagen gilt zusätzlich: dokumentieren Sie Funde mit Screenshot und Datum. Rechtliche Wege existieren, sind aber langsam und ungeklärt; dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung, und der praktische Weg über die Quellen ist in fast allen Fällen der schnellere.
Quellen & Einordnung (zum Ausklappen)
- Otterly.ai: Claude AI Citation Study, Juni 2026 (13 % Domain-Überlappung Claude/ChatGPT). otterly.ai
- SISTRIX: AI Research Index, 2026 (AI Overviews und AI Mode in 83 % der Fälle unterschiedliche Domains). sistrix.de
- Radyant: Persona Study, Juni 2026 (Antwortverschiebungen je nach genannter Rolle des Fragenden). radyant.io
Zur Einordnung: Die genannten Studien stammen von Anbietern, die im Thema kommerziell aktiv sind, mit offengelegter Methodik. Die Richtung der Befunde ist mehrfach belegt; genaue Größenordnungen können sich mit neuen Daten verschieben. Stand siehe oben.
Was Unternehmen zu Falschaussagen fragen.
Wie oft sollten wir prüfen?
Quartalsweise als Routine, zusätzlich nach jeder Preis-, Produkt- oder Konditionsänderung. Falschaussagen entstehen bevorzugt dann, wenn sich bei Ihnen etwas ändert und die alten Quellen weiterleben.
Können wir das selbst machen?
Ja. Der Selbsttest und die vier Schritte sind mit Bordmitteln machbar; der Aufwand liegt in der Wiederholung und der Quellenbereinigung. Ob Sie es intern aufbauen oder begleiten lassen, ist eine Kapazitätsfrage; ein eigener Leitfaden zu dieser Abwägung: KI-Sichtbarkeit selbst aufbauen oder Agentur beauftragen?
Reicht es, ChatGPT zu prüfen?
Nein. Die Systeme überlappen sich bei den zitierten Quellen nur zu einem kleinen Teil, und gerade die Google-KI erreicht Ihre Kunden am breitesten. Drei Systeme sind das Minimum, je System dieselben Fragen.
Die Falschaussage stammt aus einem Presseartikel. Was jetzt?
Höflich um Korrektur oder Ergänzung bitten, parallel die eigene Seite zur eindeutigsten Quelle machen: aktueller, konkreter, datiert. Die KI gewichtet die Ursprungsquelle hoch; wenn Ihre eigene Seite die Frage präziser beantwortet als der Artikel, gewinnt sie mit der Zeit.
Wer haftet, wenn die KI Falsches über uns behauptet?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, die Rechtslage ist in Bewegung, und wir sind keine Kanzlei. Praktisch gilt: Dokumentieren, Quellen korrigieren, nachmessen. Der Schaden entsteht im Verkaufsgespräch, nicht im Gerichtssaal, und dort können Sie ihn auch beheben.
